Montag, 30. September 2013

Le jardin éphémère



In Nancy gibt es auf dem Place Stanislas seit 2003 jedes Jahr einen vergänglichen Garten. Einen Monat lang sind dort Blumen nach einem bestimmten Thema arrangiert. Auf einer Tafel wird das Thema erklärt, auf Deutsch und auf Französisch. Weil mir der Text so gut gefällt, hab ich ihn für euch abgetippt. 

Die Kultur in Zeiten der Renaissance
10. vergänglicher Garten
2003 – 2013

In seinem Garten wiedergeboren werden, um zu leben, zu denken, zu fühlen und zu lieben, als wäre es das erste Mal. Der Mensch aus der Zeit der Renaissance ist ein Wesen, das sich auf der Suche befindet, ständig neugierig ist, immer etwas „Neuem“ hinterherjagt, und zwar genau dem Neuen, vor dem das düstere Mittelalter sich fürchtete. Und so entfaltet sich dieses Lichte der Sinne und des Sinns. Im 15. Jahrhundert emanzipiert sich der Garten aus seiner primitiven Form, seine Geometrie ordnet sich, gerade Linien und Kurven gehen ein Zusammenspiel ein, um das Auge des Betrachters „auf französische Art“ zu verwöhnen.
Die Kultur, im zweideutigen Sinne, ist in Bewegung. Im Zuge der Seereisen des Genuesen Christoph Kolumbus gehen die Bäume bei der Rückkehr aus Amerika an Bord, um ihre große transatlantische Reise anzutreten. Die Pflanzen befreien sich aus den Fängen ihrer natürlichen Grenzen, um sich auf terra botanica incognita niederzulassen. Die Globalisierung ist noch nicht an der Tagesordnung, dafür müssen noch einige hundert Jahre vergehen, aber ein Schmetterlingseffekt erregt schon die Aufmerksamkeit der Gelehrten und Künstler: was sich am anderen Ende der Welt abspielt, wirbelt nunmehr auch hier und jetzt unser Leben durcheinander. Kulturen werden überliefert und geteilt. Als Leonardo verreist, ohne jemals seine Mona Lisa zu verlassen, gilt das Kultgemälde bei Mäzenen, Prinzen und Königen als graphischer Reisepass. Dies führt zu neuen Bestellungen. Der Geist der Renaissance erlebt im 18. Jahrhundert einen neuen Aufschwung: Emmanuel Héré erbaut die „Ville de Stanislas“, er legt ebenfalls diesen Drang fürs Neue an den Tag, als er den Place Royale, den Place d'Alliance und den Place de la Carrière plant. Ein herausragendes architektonisches Ensemble, das den Besucher ins Staunen versetzt und für Begeisterung sorgt.
Das 20. Jahrhundert erinnert sich ebenfalls daran. 1983 wird die Freude über diesen Schön- und Erfindergeist gefeiert, als die UNESCO Nancy zum Weltkulturerbe erhebt. Dreißig Jahre ist das jetzt schon her. 2013 lässt unser vergänglicher Garten die damaligen Gefühle erneut aufleben, als Gesamtplan wird dabei das Emblem der internationalen Organisation ausgewählt. Hinter dieser Symbolik entfaltet sich die Kreativität der Gärtner der Stadt. Sie spiegelt sich auch auf dem Place Charles III wieder, die vor Kurzem renoviert wurde. Das Bild ist ausdrucksstark. Die vergängliche Inszenierung bedient sich einiger prägender Elemente der letzten Jahrzehnte, um die geschichtliche Einbindung zu festigen und gleichzeitig das „Neue“ zu entdecken. Auf dem Place Stanislas und dem Place Charles III ist die Erde fruchtbar genug, um diesen Garten wieder auferstehen zu lassen. 














Leider wollte blogger.de nicht so wie ich und die querformatigen Fotos haben sich partout nicht nebeneinander anordnen lassen. Ich hoffe, ihr findet euch trotzdem zurecht und lasst euch für euren eigenen Garten inspirieren.

Kommentare:

  1. Béatrice hat in Deutschland einen Fortschritt gemacht:

    Sie ist fotogen geworden.... Großer Applaus!

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    1. Das ist aber nicht der einzige Fortschritt. Sie hat viel weniger Akzent als am Anfang, macht fast keine Fehler mehr, spricht schneller und versteht auch Schnellsprecher.

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    2. Da hast du mal wieder recht.... ;-)

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