Samstag, 7. September 2013

Meine erste Woche in Frankreich

Lundi (Montag) - mein erster Schultag 

Hier in Frankreich fangen die einzelnen Jahrgangsstufen zu unterschiedlichen Zeiten an. Béatrice musste von 10 Uhr bis 12 Uhr in die Schule und ich von 14 Uhr bis 16 Uhr. Die Klassen haben keine eigenen Klassenzimmer, sondern sind jede Stunde in unterschiedlichen Räumen (außer bei Doppelstunden). Am ersten Schultag hängen deshalb Klassenlisten aus, auf denen der professeur principal (Klassenlehrer) und die Nummer eines Klassenzimmers stehen. 

Béatrice führt mich also zu dem entsprechenden Raum, in dem die übrige Klasse und der Klassenlehrer bereits sind. Sie stellt mich dem Lehrer vor und geht dann wieder. Ich setze mich neben ein Mädchen, das alleine in einer Reihe sitzt. Dann teilt unser Klassenlehrer ein Formular aus, das wir ausfüllen müssen. Ich hab nicht alles verstanden, aber man musste z.B. die Adresse darauf schreiben, ob man einen eigenen Computer (evtl. mit Internetanschluss) hat, wo die Interessen liegen usw. 

Nachdem der Klassenlehrer die Formulare eingesammelt hat, teilt er den Stundenplan aus. Für mich ist der völlig unverständlich, aber die anderen fangen schon an, bei sich Stunden unterschiedlich auszustreichen. Ich lasse das mal lieber sein und werde später Béatrice um Hilfe bitten.

Nach einer 10-minütigen Pause und einigen weiteren Zetteln dürfen wir auch schon wieder nach Hause gehen. Béatrice wartet vor dem Schultor auf mich und wir gehen heim. Zu Fuß läuft man von der Schule zu meiner Gastfamilie ungefähr eine halbe Stunde, wenn man zügig läuft, nur 20 Minuten.

Mardi (Dienstag) - mein zweiter Schultag

Béatrice hat am Montag Nachmittag noch die Stunden aussortiert, die ich nicht habe. Dienstags muss ich jetzt erst um 10 Uhr in der Schule sein. In der Mittagspause bin ich mit Béatrice und ihren Freundinnen in die cantine gegangen. Dort wird nach Klassen sortiert: manche Klassen dürfen früher in die Mensa, manche später. Béatrice hat mich einfach zu ihrer Klasse gezählt.

Um 16 Uhr darf ich dann schon wieder nach Hause gehen, während Béatrice noch zwei Stunden länger Unterricht hat. In einigen Fächern, wie Mathématiques, Français (Französisch) und Anglais (Englisch) hab ich einigermaßen verstanden, worüber die Lehrer gesprochen haben. Dagegen in Histoire Géographie (Geschichte und Erdkunde) hab ich fast gar nichts verstanden. 

Mercredi (Mittwoch) - mein dritter Schultag

In Frankreich ist am Mittwochnachmittag grundsätzlich kein Unterricht. Ich hab an diesem Tag nur E.P.S. (Sport) und Mathématiques, muss um 8 Uhr da sein und darf um 11 Uhr wieder nach Hause gehen. Was die seconde (entspricht der 10. Jahrgangsstufe) in Mathe gerade lernt, hab ich schon vor ungefähr zwei Jahren gelernt. So lerne ich aber noch die Begriffe auf Französisch.  
 
Jeudi (Donnerstag) - mein vierter Schultag

Donnerstags hab ich alle zwei Wochen in der dritten Stunde éducation civique juridique et sociale (das Rechtliche von Wirtschaft & Recht). Diese Woche hatte ich es noch nicht, stattdessen hatte ich eine Stunde frei. Wenn man in Frankreich eine Freistunde hat (die nicht an der Mittagspause oder am Anfang oder Ende vom Schultag ist), muss man entweder ins CDI (Centre de Documentation et d'Information) oder in ein bestimmtes Klassenzimmer. Dort ist eine Surveillante (Aufsichtsperson). In der Stunde können wir Hausaufgaben machen. Wenn wir keine aufhaben oder schon fertig sind, sollen wir uns anderweitig still beschäftigen. 

Natürlich hatte ich auch noch Nachmittagsunterricht, aber nur eine Doppelstunde Mathématiques

Vendredi (Freitag) - mein fünfter Schultag
 

Béatrice und ich hatten am Freitag erst um 10 Uhr Schule. Als wir zur Schule gelaufen sind, erklärt sie mir, dass ich vier Stunden Mittagspause hätte, weil Accompagnement (2 Stunden Intensivierung beliebiger Fächer) erst in einigen Wochen beginnt. Sonst hab ich Freitags 2 Stunden Pause. Als ich mich dann in der Mittagspause von zwei Mädchen aus meiner Klasse getrennt hab, um nach Hause zu gehen, sagen sie: "A demain!" - Bis morgen! Ich wundere mich, denn wir haben doch noch Nachmittagsunterricht. Daraufhin haben sie mir erklärt, dass sciences économiques et sociales (Wirtschaft) heute ausfällt. Das heißt, am Freitag hatte ich nur 2 Stunden Französischunterricht.

So konnte ich am Nachmittag noch zur Post gehen, auf Französisch Briefmarken kaufen und einen Brief abschicken. Später habe ich noch mit meiner Schwester und meinem Bruder (der am Freitag Geburtstag hatte) geskypet und danach angefangen, meine erste Frankreich-Woche in Worte zu fassen. 

Samedi (Samstag) - mein sechster Schultag

Ja, ihr habt richtig gelesen, ich hab auch samstags Schule. An meiner Schule hat man ab der seconde am Samstagvormittag Unterricht. Ich muss von 8 Uhr bis 12 Uhr in die Schule gehen. Heute hatte ich wieder ein neues Fach: S.V.T. - Sciences de la Vie et de la Terre (Biologie und Geologie). Unser erstes Thema dieses Jahr ist das Universum. Ich weiß nicht, ob man das in Deutschland im Gymnasium behandelt; es ist jedenfalls sehr interessant. Weil die Planeten auf Französisch genauso heißen wie auf Deutsch (oder andersherum?), hab ich so ziemlich alles verstanden, was wir gemacht haben. 

Danach hatte ich noch Physique Chimie, was ich auf Französisch ziemlich schwierig finde. Wir haben Arbeitsblätter bekommen, um das Grundwissen zu wiederholen. Doch wie erklärt man in wenigen Worten auf Französisch, was z.B. ein ion (Ion = geladenes Atom) ist? Die Fachbegriffe sind zwar gleich, aber was heißt "geladen" auf Französisch? 

Um 11 Uhr gab es einen Schuljahresanfangsgottesdienst in der Schulkirche. Ich vermute, dass dieser freiwillig ist, weil verhältnismäßig wenige Leute in der Kirche waren, obwohl auch Eltern und Geschwister kommen durften. 

Dass am Samstagvormittag Schule ist, stört mich seltsamerweise gar nicht. Jetzt am Nachmittag hab ich das Gefühl, dass ich schon den ganzen Tag Wochenende hab. Ich weiß nicht, ob ihr versteht, was ich meine; das ist schwierig zu beschreiben. 

Fotos von der Schule hab ich leider keine, weil man in der Schule nicht fotografieren darf. Aber ihr könnt die Fotos auf der Schulhomepage vom Lycée Notre-Dame Saint-Sigisbert anschauen.



Kommentare:

  1. Schon irgendwie unfair, dass Du im Moment weniger Schule hast, als durchschnittliche zehnte Klassen.
    Und ich kenn jemanden, dem du nicht glauben wolltest, dass du in FR fast Urlaub hast! Gell, Lioba, rat mal wer des isch. :-P

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  2. Scheint sich wirklich sehr entspannt anzuhören und es lässt sich aushalten gell?! :D Jetzt darfst du auch raten :D

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  3. Liebe Lioba - es stimmt, Dein Blog klingt iwie nach Urlaub :) ...bleibt das so, oder ist das sozusagen "Welpenschutz" - was meinst? Ich denk oft an Dich und auch an Béatrice - sag ganz liebe Grüße von mir :)
    Unterhaltet ihr zwei euch mehr auf französisch oder auf deutsch?
    LG Fabiola :)

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    1. Liebe Fabiola,
      ich glaub nicht, dass das so bleibt;
      ich krieg jetzt dann noch ein paar Stunden Latein pro Woche dazu;
      wenn die Wahlpflichtfächer anfangen, sind das auch noch ein paar Stunden mehr; und wenn in Deutschland wieder die Schule anfängt, muss ich parallel lernen. ;)
      Die Grüße hab ich ausgerichtet, liebe Grüße zurück :)
      Wir unterhalten uns mal so, und mal so. Das kommt ganz auf's Thema drauf an. Wenn es um etwas Organisatorisches geht, ist es eher deutsch, damit es keine Missverständisse gibt.
      Liebe Grüße
      Lioba

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