Freitag, 17. Januar 2014

Neuigkeiten, die sich so angesammelt haben

Auch wenn es schon ein wenig länger her ist, fang ich mal mit Silvester an. An Silvester waren zwei befreundete Ehepaare bei uns zu Besuch, darunter war Hélènes Pate. Wir haben kein Feuerwerk gemacht und die Nachbarn auch nicht. Ich weiß nicht, wie es in Nancy aussieht, aber zum Beispiel in Paris ist sogar der Verkauf von Feuerwerkskörpern an Privatpersonen verboten. Ich fand es ganz gut, dass wir kein Feuerwerk hatten, weil es mir nicht ganz gut ging. Vielleicht hab ich auch nur zu viel gegessen. Es gab Lachs, Austern, Schnecken und Schinken; ich hab zwar nur Lachs und Schinken gegessen, aber wahrscheinlich davon zuviel und es war auch schon ziemlich spät. Um Punkt Mitternacht wurde dann der superleckere Schokokuchen angeschnitten, den die Konditorin unter unseren Gästen gebacken hatte. Den Film, den wir während des Käsegangs angefangen haben, hab ich nicht fertig geschaut, mir war in dem Moment mein Bett lieber.

An Heiligdreikönig gibt es in Frankreich kein Sternsingen und wir mussten in die Schule gehen. Dafür gibt es hier eine sehr tolle Tradition: die Galette des rois. Am Abend gibt es einen Kuchen die Galette. Darin ist eine fève versteckt - eine kleine Porzellanfigur. Wer die fève in seinem Stück findet, ist der König oder die Königin.
In der Schulkantine gab es mittags als Nachspeise eine Galette, für jeden ein Stück. Da gab es natürlich mehrere Porzellanfiguren und dementsprechend auch mehrere Könige.
Allerdings isst man nicht nur am 06. Januar eine Galette, sondern auch in der darauffolgenden Woche. Trotzdem wurde ich kein einziges Mal Königin ...
Wenn ihr Genaueres über die Galette wissen wollt, findet ihr hier weitere Infos.

Am Montagvormittag, dem 06. Januar, wurde ich vermisst: in SL wurde ich als abwesend gemeldet, obwohl ich da war und sogar mit Anais ein Referat gehalten hatte. In der DS wurde ich auch als abwesend gemeldet, aber da war ich im CDI, weil die DS für die zweite Fremdsprache war und ich hier nicht Spanisch oder Italienisch lerne (in Deutschland auch nicht). Die zuständige surveillante hatte vormittags meine Gastmutter angerufen und gefragt, ob ich krank sei. Das Ganze hatte sich erst aufgeklärt, als ich in der Freistunde aus dem CDI geholt wurde und mich bei der surveillante präsentieren musste - gegen 15.30 Uhr. Als ich dann heimgekommen bin, hat mir meine Gastmutter erzählt, dass für sie der Nachmittag im Eimer war, weil sie sich solche Sorgen gemacht hatte.

Das Referat in SL war so lala, ich bin mir nicht so sicher, ob jemand meinen Teil verstanden hat, aber gut. Die Leute, mit denen ich immer zusammen bin, verstehen meinen Akzent. Leute, mit denen ich das erste Mal rede, fragen fünf Mal nach, bis ich letztendlich buchstabiere, was ich sagen will...
In Latein mussten wir auch ein Referat halten, in Vierergruppen. Ich musste mit den einzigen drei Jungen aus meiner Lateinklasse über "Orpheus in der Musik" referieren. Mit denen hatte ich vorher noch nie ein Wort gesprochen. Wir haben dann ausgemacht, dass sie das Referat vorbereiten und sie mir einen Teil zu lesen geben. Der Text war größtenteils in Schwarz, allerdings waren auch ein paar blaue und ein paar wenige rote Wörter dabei. Sieht ganz nach Wikipedia aus... Ich hatte viereinhalb Zeilen zu lesen und ich glaube, keiner hat wirklich verstanden, was ich vorgelesen hab. Aber so interessant war das auch nicht. Der Lehrer war auch nicht wirklich mit "unserem" Referat einverstanden, aber der hat zwei von den dreien auf dem Kieker.

Heute hatten wir von 11 Uhr bis 14 Uhr Mittagspause. Die Französischlehrerin war nicht da. Von 10 bis 11 Uhr haben wir einen Test über die Französischlektüre Roméo et Juliette geschrieben, mit einer surveillante als Aufsicht. Ich hab das eBook im Internet auf Deutsch gefunden, so hab ich auch was verstanden. Charlotte hat mir das Buch auf Französisch in der Mediathek ausgeliehen, weil wir normalerweise das Buch für den Test verwenden dürfen. Diesmal nicht. Super. Durfte ich alles in meinem Wörterbuch nachschlagen. Ich wurde dann nicht ganz fertig und ich bin mir auch nicht ganz sicher, ob ich meine Gedankengänge richtig übersetzt hab.
Einige aus meiner Klasse haben nicht mal das Buch gelesen, weil sie dachten, wir dürfen wie immer das Buch zur Hilfe nehmen. Andere scheiterten an der Nationalität des Autors und so wurde aus Shakespeare ein Grieche...
Unsere Französischlehrerin begründete die Lektüre von "Romeo und Julia" damit, dass jeder die Geschichte kennt, aber kaum jemand sie gelesen hat. Da gebe ich ihr Recht, weil ich mir anders nicht erklären kann, dass jemand Romeos und Julias Liebe als "wahre Liebe" bezeichnet. Romeo sieht Julia zum ersten Mal und verliebt sich augenblicklich in sie. Genauso Julia. Kurz darauf (im Buch ist keine Zeitangabe, aber es scheint, dass zwei Tage vergehen) heiraten sie und einen Tag später wird Romeo verbannt. Für wiederum zwei Tage später ist die Hochzeit von Julia mit Paris angesetzt. Am Abend vor der Hochzeit trinkt Julia das Gift, durch das sie für 42 Stunden scheintot ist. Kurz bevor diese 42 Stunden ablaufen, kommt Romeo, der vom Tod Juliens erfahren hat, trifft Paris am Grab, tötet diesen, sieht die tote Julia und trinkt sein mitgebrachtes Gift, um sich zu töten. Er tötet sich sechs Tage, nachdem er Julia das erste Mal gesehen hat und sich in sie verliebt hat. Meiner Meinung nach muss er von ihrer Schönheit überwältigt gewesen sein. Von Liebe keine Spur. Ich verstehe, warum Julia Romeo heiratet (damit sie nicht Paris heiraten muss), aber warum sie sich dann selbst tötet, als Romeo und Paris beide tot sind, ist das große Rätsel. Da wäre sie frei und könnte ein neues Leben anfangen, sogar ohne ihre Eltern, die sie unbedingt mit Paris verheiraten wollten.
Aber lest selber das Buch und bildet euch eine eigene Meinung. Im Grunde gefällt mir das Buch auch, nur warum Romeo und Julia überall als DAS Liebespaar schlechthin dargestellt werden, verstehe ich nicht.

Zurück zu den drei Stunden Mittagspause: Normalerweise esse ich wie Léa und Marine (zwei meiner französischen Freundinnen) immer in der Kantine (wir sind démipensionnaire). Wenn wir nicht in der Mensa essen wollen (wie die Externen), müssen wir ein formloses Schreiben unserer Eltern der zuständigen surveillante vorlegen. Das haben wir auch gemacht und sind dann mit Anne, die jeden Donnerstag und Freitag externe ist, zu einem anderen Lycée gegangen. Dort haben wir auf eine Freundin von Marine gewartet, die mit Marine zusammen auf dem Collège war. Zu fünft haben wir im Subway gegessen.

Ich denke, das waren alle meine interessanten französischen Neuigkeiten, morgen halten wir zu fünft (Léa, Marine, Anne, Anais und ich) in Geschichte ein Referat über die Romanisierung Galliens.

Kommentare:

  1. Und hast du nicht mal geschrieben, dass du es magst, wenn Liebespaare nicht zusammen sein dürfen?

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    1. Naja, so meinte ich das eher weniger. Ich mag es, wenn Liebesgeschichten nicht so 0815 sind. Am Anfang darf es gerne ganz viele Schwierigkeiten geben, aber am Ende sollen sie zusammenkommen dürfen.

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    2. Aaalso wenn das sich nicht mal 08/15 anhört... wie wär's, wenn am Anfang alles perfekt scheint, beide richtig Zoff kriegen, sich so richtig fetzen, alle kurz vor dem aus steht, sie aber durch den ganzen Zoff ein einigendes Erlebnis haben und am Ende über sich selbst hinauswachsen?
      Ich weiß, man kann es immer NOCH komplizierter machen, aber ich finde, davon gibt es auch viel zu wenig.

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    3. So zum Beispiel meinte ich ja. Es soll aber auf jeden Fall ein positives Ende geben. Und keine Dreiergeschichten, das finde ich ganz furchtbar.

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    4. Stimmt, Dreiergeschichten sind obendrein unrealistisch, weil sie in der Realität wahrscheinlich noch bemerkt werden und die drei äußeren Glieder beide eh nichts mehr mit der Hauptfigur zu tun haben wollten.
      Meistens sind Dreiergeschichten gar keine richtigen Dreiecke, meistens gibt es eigentlich nur ein richtiges Paar und der dritte ist nur unnötig...

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    5. Ich sehe, wir sind uns einig :D

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